PRO LEIPZIG e.V.

Publikationen - Stadtforschung - Bürgerbeteiligung

Aktuelles

Offenlegung des Pleißemühlgrabens im Bereich der Hauptfeuerwache: Einladung zur Bürgerbeteiligung am 30.11.2017

Im Zuge der Sanierung der Leipziger Hauptfeuerwache am Goerdelerring soll der dort unterirdisch verlaufende Pleißemühlgraben geöffnet und wieder öffentlich zugänglich werden. In die Entscheidung des Leipziger Stadtrates über den zukünftigen Verlauf des Pleißemühlgrabens soll neben planerischen Aspekten auch die Meinung interessierter Bürger einfließen. Dafür lädt das verantwortliche Amt für Stadtgrün und Gewässer  alle Leipzigerinnen und Leipziger ein, sich am 30.11.2017 zu informieren und ihre Meinung zu sagen: Ab 15 Uhr stellt es Interessierten die zwei aktuell diskutierten Verlaufsvarianten vor und fragt, welche Kriterien den Bürgerinnen und Bürgern für deren Bewertung wichtig sind. Wichtige Hinweise und Fragen sollen gesammelt und bis Ende Januar ausgewertet werden.

Zeit und Ort des Dialogs: 30.11.2017, 15 bis 20 Uhr, im Tagungsraum des Apartment Central, Pfaffendorfer Straße 4-10, 04105 Leipzig

Im Anschluss an diesen ersten Beteiligungsschritt werden die Verlaufsvarianten im Rahmen einer zweiten Dialogveranstaltung im Februar 2018 öffentlich verglichen und diskutiert. Auf dieser Grundlage sind die Bürgerinnen und Bürger dann gebeten, ihre Meinung für einen Verlauf abzugeben.

Schüler erobern das Neue Rathaus: „Kommunalpolitisches Planspiel“ bringt Jugendlichen die Stadtpolitik näher


Pressemitteilung des Organisators:
Am 7. November 2017 fand ein „Kommunalpolitisches Planspiel“ im Neuen Rathaus von Leipzig statt. Eine 9. Klasse vom Johannes-Kepler-Gymnasium aus Kleinzschocher eroberte das Rathaus und lernte den Stadtrat aus einer ganz neuen Perspektive kennen. Organisiert wurde der Projekttag von Eric Buchmann, Studienreferendar am selben Gymnasium. Die Schüler lernten spielerisch, wie Kommunalpolitik funktioniert und der Stadtrat arbeitet. „Das Feedback war spitze. Das Planspiel bietet eine super Gelegenheit, einen Tag lang mal selbst Stadträtin oder Stadtrat zu sein und die Mühen der Kommunalpolitik kennenzulernen.“ erzählt Eric Buchmann. In verschiedenen Schüler-Fraktionen beschäftigten sich die Jugendlichen mit kommunalen Themen wie der Einführung eines Bürgertickets bei der LVB. „Es ist toll, mit anzusehen, wie engagiert und professionell die Schüler arbeiten. Sie diskutieren angeregt über die Themen, die uns als echte Stadträte ebenfalls sehr beschäftigen.“, so CDU-Stadtrat Michael Weickert, der das Planspiel den Tag über mit begleitete. In einer Schüler-Ratssitzung wurden am Ende beide Themen heiß diskutiert. Auch Jugendparlamentarier Alexander Krumbholz besuchte zwischendurch das Planspiel und gab den Jugendlichen Tipps. „Gerade nach der Bundestagswahl wird überall von einer Stärkung der politischen Bildung gesprochen. Mit dem Planspiel möchte ich auch andere Lehrer ermuntern, außerschulische Lernorte wie ein Rathaus in den Politikunterricht zu integrieren. Dort kann Demokratie authentisch, spannend und lehrreich gelernt und gelebt werden.“ so Buchmann abschließend.



Stadtrat beschließt offenes Verfahren für die zukünftige Gestaltung des Matthäikirchhofs

Ein offener Brief engagierter Leipziger Bürger, darunter Mitgliedern unseres Vereins, trug dazu bei, dass der Leipziger Stadtrat am 18.10.17 für eine ergebnisoffene Prüfung grünes Licht gab. Die Mehrheit der Stadträte sprach sich dafür aus, bei der Gestaltung dieser wertvollen und historisch bedeutsamen innerstädtischen Fläche höchste Sensibilität und Transparenz walten zu lassen. Von Anfang an seien die Bürger an der Ideenfindung zu beteiligen, damit sich nicht die gleichen Fehler wie bei der Raumplanung des Leuschnerplatzes wiederholten. Das "Forum für Freiheit und Bürgerrechte", in Verbindung mit dem sächsischen Archiv für die Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes, könne dort entstehen. Seine bauliche Form und der Standort auf dem Terrain sollen sich aber aus dem offenen Verfahren ergeben. Ebenso die Frage, ob ein lange geplantes Einheitsdenkmal dort Platz hätte.

http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipzig-entwickelt-Matthaeikirchhof-Platz-fuer-Stasi-Archiv-wird-angeboten

Matthäikirchhof. Quelle: L-IZ



OFFENER BRIEF Leipziger Bürger, darunter auch PRO-LEIPZIG-Vereinsmitgliedern, an die Leipziger Stadträte - den künftigen Verlauf des Pleißemühlgrabens zwischen Käthe-Kollwitz-Straße und Ranstädter Steinweg betreffend


Mit dem Vermerk „nicht öffentlich“ liegt dem Stadtrat die „Informationsvorlage Nr. VIDS-034840“ vor, in der sich die Verwaltung für die Umverlegung des Pleißemühlgrabens an den Goerdelerring positioniert hat. Diese Variante lehnen wir nachdrücklich ab.

Kritik an der Position der Verwaltung
• Der stadtnahe Verlauf des Pleißemühlgrabens ist seit beinahe 1000 Jahren unverändert; Umverlegung heißt Missachtung vieler kulturhistorischer Aspekte dieses sensiblen Bereichs.
• Die Beibehaltung des komplett bodenversiegelten Hofs der Hauptfeuerwache beeinträchtigt die Wohnqualität des Quartiers und verhindert die umfassende Neugestaltung des kriegszerstörten Naundörfchens.
• Ein deutlich verkürzter neuer Flusslauf schmälert den Gewinn für das Stadtbild.
• Schall- und Schadstoffemissionen schränken das Verweilniveau am Ring drastisch ein.
• Die den Fluss begleitenden Grünzonen können hier nur schmal ausgebildet werden, da ein enges Wechselverhältnis zu den verbleibenden Platzflächen besteht.
• Es sind deutlich weniger PKW-Stellplätze als beim historischen Flussverlauf möglich, das ist besonders im Hinblick auf das geplante Hochhaus problematisch.
• Bislang hat es keine Beteiligung der Bürger in der Frage des Flussverlaufs gegeben; eindeutige Plädoyers des Fördervereins Neue Ufer und des Waldstraßenviertel e.V. gegen die Variante der Umverlegung sind seit Jahren unreflektiert.

Wir plädieren für Beibehaltung des historischen Verlaufs u. a. aus folgenden Gründen:
• Respektierung der Ortsgeschichte und Erhalt der beiden kulturhistorisch bedeutenden Brückenstellen Lessingbrücke und Naundörfchenbrücke.
• Die durchgehende, vom Verkehr abgeschirmte Uferpromenade bietet eine hervorragende Erlebbarkeit des Flusses.
• Der Wohnhof wird beruhigt und gewinnt deutlich an Aufenthalts- und Erholungsqualität, der Besuchsanreiz ist vorprogrammiert.
• Das Naundörfchen wird mit begrünten Uferterrassen und einer Kita als individuelles Stück Leipzig neu gestaltet.
• Die Unterquerung des Hochhauses durch den offen geführten Fluss kann für den Bau selbst sowie für den Standort insgesamt eine besondere Attraktion werden.
• Vor der Feuerwache und dem IHK-Gebäude ist eine Tiefgarage mit großer Stellplatzzahl realisierbar und sinnvoll.
• Die Ringpromenade bleibt erhalten, die Gestaltung eines modernen Stadtplatzes am Fuße des Hochhauses ist möglich.
• Unter Berücksichtigung aller Für und Wider ist der historische Flussverlauf die eindeutig bessere Lösung für den Stadtteil.
Wir begrüßen es, dass sich die Verwaltung endlich zur Einbeziehung der Bürger entschlossen hat (LVZ vom 2./3.9.2017).
Leipzig, 3. Oktober 2017

Diskussion um den Verlauf des freizulegenden Pleißemühlgrabens geht weiter: Rathaus bietet Werkstattgespräch an

Die Kritik an den Plänen der Leipziger Verwaltung, den Pleißemühlgraben im Areal des einstigen Naundörfchens, zwischen Käte-Kollwitz-Straße und Ranstädter Steinweg, nicht im alten Verlauf öffnen sondern an den Goerdelerring verlegen zu wollen, reißt nicht ab. Den Protesten des Fördervereins Neue Ufer schlossen sich auch andere Bürgervereine an - so PRO LEIPZIG, Stadtforum Leipzig und Waldstraßenviertel e.V. Bemängelt wurden neben den vorgebrachten sachlichen Argumenten nicht zuletzt auch das Ignorieren einer verwaltungsseitig versprochenen ernsthaften Bürgerbeteiligung. Angebliche Bedürfnisse der Hauptfeuerwache und etwaige Beschränkungen seitens der Landesregierung wurden angeführt, um die Unmöglichkeit der Öffnung im alten Verlauf zu suggerieren. Letztlich ergab jedoch eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Wolfram Günther (Grüne) an die Sächsische Staatsregierung, dass von Landesseite keinerlei planungs- oder förderrechtliche Gründe existieren, den Pleißemühlgraben im Zuge der Sanierung der Hauptfeuerwache vor eben jene an den Ring zu verlegen. Die Landesregierung steht einer freien städtebaulichen Diskussion und Planung gar nicht ablehnend gegenüber. Die Leipziger Internetzeitung berichtete darüber am 27. September:

https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2017/09/Saechsische-Regierung-sieht-keine-Gruende-die-einer-Oeffnung-des-Pleissemuehlgrabens-im-historischen-Verlauf-entgegenstehen-193018

Wie nun ein Artikel der Leipziger Volkszeitung vom 1. Oktober andeutet, sind es doch vor allem finanzielle Gründe, die die Stadtverwaltung dazu bewegt, den unhistorischen und städtebaulich gänzlich unattraktiven Standort am Goerdelerrring zu präferieren: Man erhofft sich von der geringeren Länge des anzulegenden Flussbetts niedrigere Baukosten. Und für ein am Ranstädter Steinweg lange geplantes Hochhaus könnte ein privater Investor womöglich leichter gefunden werden. Vor diesem Hintergrund sind die Einsprüche Leipziger Bürger freilich hinderlich, die nach Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie städtebaulicher Authentizität fragen. Immerhin ist die Stadtverwaltung nun bezüglich der Bürgerbeteiligung nachdenklich geworden und lädt den Verein Neue Ufer zu einem konstruktiven Werkstattgespräch ein. Optimisten sehen darin ein gutes Zeichen. Denn wozu bedarf es eines neuen Campus' zur didaktischen Vermittlung von Demokratie, wenn die Stadtführung eine solche nicht selbst vorlebt?

Hier geht es zum LVZ-Artikel: http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipziger-Pleissemuehlgraben-schlaegt-Wellen


Rötha und Umgebung: Das neue Ansichtskartenbuch ist da!

Das von PRO LEIPZIG gemeinsam mit dem Förderverein Rötha - Gestern.Heute.Morgen und der Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis herausgegebene Buch "Röhta mit Espenhain, Mölbis, Pötzschau, Oelzschau und verlorenen Orten auf alten Ansichtskarten" ist frisch aus der Druckerei gekommen und macht nicht nur optisch einen ganz hervorragenden Eindruck! Ab 1. Oktober wird es im Handel erhältlich sein, aber wer sich schon vorher einen Eindruck von der Publikation machen und sie käuflich erwerben will, der ist gerne eingeladen zu zwei öffentlichen Präsentationsveranstaltungen:

 


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________


OFFENER BRIEF von 21 Leipziger Bürgern, deren Positionen PRO LEIPZIG e.V. ausdrücklich unterstützt:

Zur künftigen Entwicklung des Matthäikirchhofs

Den Stadträten liegt eine Beschlussvorlage zur Abstimmung in der Ratsversammlung am 20. September 2017 vor (Beschlussvorlage Nr. VI-DS-04384), die in dieser Form nicht akzeptabel und daher abzulehnen ist. Unsere Positionen und Forderungen:

1. Im Bereich des Matthäikirchhofs lag die Keimzelle der Stadt. Die facettenreiche historische Entwicklung dieses Ortes spiegelt bedeutende Aspekte der Leipziger Stadtgeschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle älteren Baudenkmale wie die Kirche, die Reste des Klosters und Bürgerhäuser zerstört. Durch die Ansiedlung der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit im Jahr 1950 und den massiven Ausbau dieses Standorts in den 1980er Jahren wurde der westlichste Teil der Altstadt dem allgemeinen öffentlichen Leben und einer altstadttypischen Gestalt und Funktion entzogen. Diese seit fast vier Jahrzehnten bestehende eklatante Fehl-Prägung dieses Viertels bedarf grundlegender Korrektur.

2. Wer heute hier plant, tut dies in höchster kultureller Verantwortung, sowohl im Bezug auf die künftige städtebaulich-architektonische Qualität des gesamten Stadtteils als auch im Hinblick auf dessen künftiges Funktionsspektrum sowie seine urbane Ausstrahlung und Erlebbarkeit.

3. Dass die Etablierung eines „Forums für Freiheit und Bürgerrechte“ Teil des Potentials des Matthäikirchhofs sein kann, steht ausdrücklich nicht in Frage. Doch es ist nicht nachvollziehbar, hierfür schon jetzt einen Stadtratsbeschluss herbeiführen zu wollen, ohne die vielfältigen Entwicklungschancen des Gesamtbereichs auch nur ansatzweise betrachtet und miteinander ins Verhältnis gesetzt zu haben.

4. Der Respekt vor der Geschichte, die Ansprüche an ein modernes Stadtflair und die Kriterien zur individuellen Ausprägung dieses Viertels sollten in einen kreativen, vielschichtigen Planungsprozess einfließen, der, wie die Verwaltung selbst forderte, „mit aller gebotenen Sorgfalt und äußerst sensibel“ zu erfolgen hat und nicht durch Vorfestlegungen eingeengt wird. In diesen Prozess muss die Bürgerschaft Leipzigs, einschließlich engagierter Initiativgruppen und Fachleute, von Beginn an aktiv eingebunden werden.

Forderung zum Thema Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal:

Die Entwicklung des Areals Matthäikirchhof und die Entwicklung des weiteren Verfahrensweges zum Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal sind grundsätzlich voneinander zu trennen. Das betrifft die Positionen 5. / 6. / 7. der Beschlussvorlage.

_____________________________________________________________________________________________________________


Verlauf der Pleißemühlgraben-Debatte zeigt: Bürgerbeteiligung in Leipzig wird ignoriert

Der Verein PRO LEIPZIG spricht sich eindeutig für eine Öffnung des Pleißemühlgrabens im historischen Verlauf im Bereich des ehemaligen Naundörfchens aus - so wie vom Verein Neue Ufer vorgeschlagen. Zudem plädiert er für eine Neugestaltung des Fleischerplatzes (Vorplatz der Feuerwehr und der IHK) mit dem Ziel, dort den ruhenden Verkehr in einem unterirdischen Parkhaus unterzubringen und auf dem Platz zumindest im Vorfeld der IHK Aufenthaltsqualität zu schaffen bzw. vorhandene Grünbereiche möglichst zu erhalten. Zudem warnt der Verein vor einer weiteren Verbreiterung des Goerdelerringes (etwa durch eine Ausdehnung des Bahnkörpers der Straßenbahn) und damit einer Beschneidung der Fläche ds Fleischerplatzes.

Eine Öffnung des Pleißemühlgrabens im historischen Verlauf bietet aus Sicht des Veriens die einmalige Chance, im Bereich des ehemaligen Naundörfchens zentrumsnah eine öffentlich zugängliche Oase der Ruhe, abgeschirmt vom städtischen Verkehr, zu schaffen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, für Fußgänger und Radfahrer eine neue Verbindung zwischen westlichen und nördlichen Vorstadtbereichen entlang eines attraktiven Uferweges zu gestalten. Eine Aufwertung der Flächen am Naundörfchen und des öden Hofes der Hauptfeuerwache könnte sowohl der Verbesserung der Wohnqualität der Anwohner dienen als auch Gäste der Stadt zum Aufenthalt einladen - jenseits des Trubels der Innenstadt und doch fußläufig erreichbar.

Das seit Jahren geplante Hochhaus an der Spitze zwischen Goerdelerring und Ranstädter Steinweg soll einen neuen städtebaulichen Akzent setzen. Mit einer Teilunterquerung des Gebäudes durch den freigelegten Pleißemühlgraben könnte es zudem eine neue architektonische Attraktion der Stadt werden.

Die von der Stadtverwaltung geplante - und offenbar schon entschiedene - Neuverlegung des Pleißemühlgrabens entlang des Goerdelerrrings, so die Überzeugung des Vereins, käme einer Vergeudung von Steuergeldern gleich. Der Fluss würde zum Wehrgraben mit geringem Abstand zum Straßenverkehr degradiert und könnte kaum Aufenthaltsqiualität bieten (siehe Gestaltung des Elstermühlgrabens am Ranstädter Steinweg).

Der Verein Neue Ufer und sein Vorläufer, das Stadt-Kultur-Projekt, setzen sich seit 1990 engagiert und kompetent für ein attraktives Leipzig entlang der stadtnahen Gewässer ein. Dabei geht es dem Verein nicht allein darum, die verrohrten Mühlgräben wieder freizugelegen. Ihm geht es vor allem darum, in welcher Qualität und Nachhaltigkeit dies geschieht. Seit über zwei Jahrzehnten erbringen die Mitstreiter des Vereins wertvolle Leistungen im vorplanerischen Bereich, um sich anschließend meist einen Arschtritt der Verwaltung und einiger Stadträte, die jeweils "schon anders entschieden" haben, einzufangen. Ähnliche Erfahrungen sammeln momentan auch die Mitglieder der Initiative Leipziger Architekten (ein Zusammenschluss mehrerer Leipziger Vereine und Verbände, u.a. von PRO LEIPZIG), die sich für eine urbane Gestaltung des künftigen Wilhelm-Leuschner-Platzes engagieren). Genau genommen sind das deutliche Indizien dafür, dass Bürgerbeteiligung in Leipzig nicht erwünscht ist, schon gar nicht auf Augenhöhe, allenfalls als Begleiterscheinung bei der Verkündung von Verwaltungsstandpunkten, bestenfalls als Versammlung egoistischer Nörgler. Viele, die sich seit Jahren für ihre Stadt engagieren, wenden sich immer öfter resigniert ab. Ist aber die Bürgerbeteiligung einmal im Eimer, folgt ihr dorthin die Demokratie bald auf dem Fuß. Wenn jetzt Stadtrat Schlegel zum Thema Pleißemühlgraben fordert: "Nun muss die breite Bürgerbeteiligung beginnen", obwohl er weiß, dass die Würfel bereits gefallen sind, dann kann einem tatsächlich bange um Demokratie und Bürgerbeteiligung in dieser Stadt werden.

Dr. Thomas Nabert, für PRO LEIPZIG e.V.

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________


Der Oberbürgermeister und Vertreter der Stadtverwaltung möchten mit Ihnen über die Zukunft Leipzigs diskutieren

"Wie soll sich Leipzig bis 2030 entwickeln? Wie geht die Stadt mit dem Bevölkerungswachstum um? Welche Veränderungen ergeben sich zum Beispiel für Kultur, Wohnen, Bildung und Mobilität? Was bedeutet das für die unterschiedlichen Stadträume?" Auf diese Fragen sucht ein erster Entwurf des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts "Leipzig 2030" Antworten zu geben.

Interessierte Bürger, die diesen Entwurf gerne mitdiskutieren wollen oder eigene Anregungen geben möchten, haben dazu am 24. August 2017, 17.00 bis 20.30 Uhr, im Festsaal des Neuen Rathauses, die Gelegenheit.

Über die Inhalte des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts informieren zudem zwei Ausstellungen:

Promenaden Hauptbahnhof, 1. Untergeschoss, 25.8.-24.9.2017

Stadtbibliothek, 1. Obergeschoss, 1.9.-2.12.2017

Mehr Informationen finden Sie unter www.leipzig.de/2030


____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________


Unser neues Ansichtskartenprojekt zu Rötha und Umgebung ist kurz vor der Fertigstellung



 

Alte Ansichtskarten verleiten zu spannenden Zeitreisen. Das trifft besonders auf Orte wie Rötha, Espenhain und Mölbis zu, die innerhalb der letzen acht Jahrzehnte einen radikalen Wandel erlebt haben. In keiner anderen Region Europas wurden so nachhaltig und umfangreich Kulturlandschaften und Lebensräume zerstört. Nirgends sonst war die Förderung und Veredlung von Braunkohle so augenfällig. Gleiches gilt aber auch für das Entstehen neuer Seenlandschaften um Rötha in der Gegenwart. Eindrucksvoll, detailreich und nahezu lückenlos dokumentieren die Ansichtskarten die Stadt Rötha, umliegende Orte und Landschaften vor und während der Inanspruchnahme durch die "Braunkohle". Über 550 verschiedene Karten wurden aus etlichen Sammlungen erfasst - 320 dieser kleinen Kunstwerke finden sich im Buch wieder. Jede Karte ist zugleich eine einzigartige Wissensquelle, die für heutige Besucher viele Informationen und Geschichten enthält. Begleitende Texte vermitteln zudem auf anschauliche Weise Wissen zur Orts- und Regionalgeschichte und regen zu Vergleichen und weiterführenden Recherchen an.

Als Hauptautoren zeichnen Helmut Henschel und Thomas Nabert verantwortlich. Weitere Beiträge stammen von Carola Bock, Dieter Kunze und Wolfgang Sperling. PRO LEIPZIG e.V. gibt das Buch zusammen mit dem Förderverein Rötha - Gestern.Heute.Morgen. e.V. und der Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis e.V. heraus:

176 Seiten, Festeinband, Format 22 x 24 cm, 380 Farbabbildungen, 19 Euro, Vorbestellungen zum Vorzugspreis von 17 Euro bis 30.9.2017, ISBN 978-3-945027-24-0

________________________________________________________________________________________________________________________


Ortsbildprägend, schützenswert und mit großem Potenzial: Der Pleißemühlgraben im historischen Verlauf

"Den Pleißemühlgraben in seinem jahrhundertealten Verlauf beizubehalten ist für Leipzig ein elementarer und stabilisierender Wert." So bekräftigt der Förderverein Neue Ufer e.V. die Standortbedeutung des Wasserlaufs in einer aktuellen Stellungnahme. Diese bezieht sich auf Pläne der Leipziger Stadtverwaltung, bei der anstehenden städtebaulichen Entwicklung der Freiflächen am ehemaligen Naundörfchen den aktuell verrohrten und dann offen zu legenden Pleißemühlgraben vor die Feuerwache und damit direkt an den viel befahrenen Goerdelerring zu verlegen. Solchen Plänen stehen sowohl der Verein Neue Ufer als auch - in Unterstützung dessen - der Verein PRO LEIPZIG  ablehnend gegenüber. Eine Umsetzung führt zu einem "Bruch lokalspezifischer, kulturgeschichtlicher und stadtstruktureller Entwicklungslinien. Bezüge zum Richterschen, später Gebhardschen Garten und zum Naundörfchen würden dauerhaft gestört, ja gleichsam trockengelegt, ebenso der Bezug zu Karl Heines Elster-Pleiße-Kanal, dem sogenannten Dampfschiffkanal, der neben der Lessingbrücke mündete, oder zum Schlachthof der Fleischer, der auf das Wasser der Pleiße angewiesen war und dem Vorplatz seinen traditionellen, inzwischen leider getilgten Namen gab." Von der fehlenden Aufenthaltsqualität am Ring und der Missachtung eines Stadtratsbeschlusses von 1991 ganz zu schweigen. Der Förderverein Neue Ufer e.V. hat seine Gegenargumente formuliert und eine eigene Vision entwickelt, die hier als PDF angesehen und heruntergeladen werden kann:

 

 

Zur Freilegung des Pleißemühlgrabens
Folder von Neue Ufer e.V.
Pleißemühlgraben im alten Verlauf.pdf (482.55KB)
Zur Freilegung des Pleißemühlgrabens
Folder von Neue Ufer e.V.
Pleißemühlgraben im alten Verlauf.pdf (482.55KB)

_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________


Korrektur statt Konservierung

Auf den Beitrag „Campus für Demokratie: Grundkonzept für ehemalige Stasi-Zentrale steht“, der am 29./30.4.2017 in der LVZ erschienen ist, hat PRO LEIPZIG  mit einem Leserbrief geantwortet, der am 10.5.2017 in der LVZ abgdruckt, dort aber versehentlich Thomas Nabert als vermeintlichem Sprecher des Stadtforums Leipzig zugeordnet wurde. Er gibt jedoch die Meinung unseres Vereins insgesamt sowie einzelner Vertreter des Stadtforums in Personalunion wieder:

"Man kann das Ansinnen der ,Initiativgruppe', den ehemaligen Stasi-Neubau zum politischen Denkmal hochzustilisieren, nur mit Befremden und Ablehnung zur Kenntnis nehmen. Mit der Erhaltung dieses banalen, sämtliche Gestaltungskriterien für die Leipziger Altstadt ignorierenden Komplexes würde das Symbol diktatorischer Macht auch künftig als Fremdkörper im Stadtgefüge wirken. Die seit fast vier Jahrzehnten bestehende eklatante bauliche Fehl-Prägung dieses kulturhistorisch bedeutenden Ortes ist jedoch nicht zu konservieren, sondern zu korrigieren. Im Bereich des Matthäikirchhofs lag die Keimzelle der Stadt, wer heute hier plant, tut dies in höchster kultureller Verantwortung. Es wäre fatal, das Potential dieses Stadtteils mit nur einer Themensetzung einzuschränken, vielmehr sollte mit kleinteiliger Gliederung sowie vor allem mit funktionaler Vielfalt eine grundlegende Revitalisierung­ mit urbanem Flair angestrebt werden. Wohlgemerkt nicht als administrierte Hauruck-Aktion, sondern in Form eines klug durchdachten, vielschichtigen Entwicklungsprozesses."

Viele Leipziger haben uns im Gespräch zum Ausdruck gebracht, dass sie sich den Erhalt der alten Staatssicherheitszentrale in der Altstadt nicht vorstellen wollen und mit dem angedeuteten Verfahren der längst fälligen städtebaulichen Neuordnung des gesamten Matthaikirchhof-Areals nicht einverstanden sind. Dabei steht die wichtige und lobenswerte Aufklärungsarbeit der "Initiativgruppe" gar nicht zur Debatte. PRO LEIPZIG schätzt die inhaltliche Arbeit der einzelnen Mitglieder sehr, nicht jedoch deren aktuelles Ansinnen zur Zukunft des speziellen Standortes.

______________________________________________________________________________________________________________________


Ein neuer Stadtteil entsteht: Zum Projekt "Leipzig 416"

 

Auf dem 25 ha großen Gelände des ehemaligen Preußischen Freiladebahnhofs, zwei Tramhaltestellen weit nordwestlich des Hauptbahnhofs gelegen, soll in den nächsten Jahren ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Die CG-Gruppe will 750 Mio. Euro investieren, um gemeinsam mit der Kommune ein Quartier zu entwickeln, das ganz im Sinne der "europäischen Stadt" geplant und gebaut wird - also eine gesunde Mischung aus Wohnraum, Gewerbe und Grünflächen. Neben höherpreisigen Immobilien sind auch ein Drittel Sozialwohnungen avisiert, zudem der Bau je einer Kita, Grundschule und Oberschule versprochen. Eine parkähnliche Grünfläche soll innerstädtischer Magnet auch für umliegende Viertel werden. Der dafür notwendige städtebauliche Vertrag ist bereits unterschrieben worden. Bei der Planung des Stadtteils möchte man die Bürger ausdrücklich schon im Vorfeld mit ins Boot holen, um möglichst viele ihrer Wünsche berücksichtigen zu können. Für die Anwohner und andere interessierte Leipziger wurde in der Haferkornstraße 7 ein Bürgerbüro eingerichtet (Tel.: +4934139378153; E-Mail: hallo@leipzig416.de), wo man eigene Anregungen und Ideen einreichen kann. PRO LEIPZIG wird das Projekt inhaltlich und multiplikatorisch begleiten. Für nähere Informationen siehe:

http://www.leipzig416.de/fakten

https://www.youtube.com/watch?v=pHx4O8XYQCM


Unser aktueller Prospekt

Natürlich präsentierte sich der Verein im März auch wie gewohnt mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse. Dort konnten sich die Besucher über aktuelle Projekte und Veröffentlichungen von PRO LEIPZIG informieren - zudem ein Prospekt unserer Publikationen für das Jahr 2017 mitnehmen. Für den, der nicht dabei sein konnte, aber dennoch Interesse hat in die Broschüre hineinzuschauen, stellen wir hier eine Pdf zum Download bereit:




Prospekt 17.pdf (5.16MB)
Prospekt 17.pdf (5.16MB)



 

 

Präsentation des Ansichtskartenbandes über die Dörfer "hinter den Pappeln"

Eine stolze Menge von 130 Zuschauern vermochte Thomas Nabert am 8.12.2016 in die Hoffnungskirche des Stadtteils Knauthain zu locken, als er sein - gemeinsam mit dem Postkartensammler Jürgen Winter erarbeitetes - Buch "Knauthain und Knautkleeberg mit Hartmannsdorf, Rehbach, Knautnaundorf und Cospuden. Der Leipziger Südwesten auf alten Ansichtskarten" präsentierte. Sein launiger Mulitmediavortrag wurde zusätzlich aufgelockert durch Darbietungen des örtlichen Gemeindechores. Die Vorweihnachtsstimmung führte dazu, dass sich am Ende sogar das Publikum am Gesang beteiligte. Anschließend stand man noch lange bei einem Glas Rotwein zusammen und diskutierte das Gehörte, Gesehene und Gelesene. Dabei konnten die anwesenden Vereinsmitglieder den Leipziger Bürgern die Ziele und Aktivitäten jenseits der Publikationstätigkeit näher kommunzieren. Den nicht jedem ersichtlichen Arbeitsaufwand an den Bildern und Begleittexten vermochte die Leipziger Internetzeitung gut darzulegen:

http://www.l-iz.de/bildung/buecher/2016/12/das-bunte-leben-in-den-doerfern-des-leipziger-suedwestens-vor-100-jahren-161564


 

Großer Andrang in der Apostelkirche Großzschocher

Am Nikolaustag 2016 erfolgte die Präsentation des mehrmals medial angekündigten und nunmehr fertigen Stadtteillexikons zu Großzschocher-Windorf. In der Apostelkirche herrschte großer Andrang und erwartungsvolle Spannung. Die einleitenden Worte von Pro-Leipzig-Geschäftsführer und Mitautor Dr. Thomas Nabert sowie der anschließende Fachvortrag des Hauptautors Michael Liebmann wurden angemessen gerahmt durch festliche Orgelmusik. Das Publikum äußerte sein Lob für die - in Zusammenarbeit mit der IG Chronik Großzschocher-Windorf entstandene - Publikation mit herzlichem Applaus. Die Leipziger Volkszeitung schickte einen Fotografen und berichtete am 16.12.2016 von dem Event (siehe rechts).

Auch der Journalist Ralf Julke besprach das Stadtteillexikon in der Leipziger Internetzeitung am 19.12.2016  sowie in der Leipziger Zeitung vom 17.2.2017 positiv:

http://www.l-iz.de/bildung/buecher/2016/12/das-doppeldorf-grosszschocher-windorf-auf-seiner-reise-durch-800-jahre-greifbarer-geschichte-162051


Heimatforscher erhält Sächsischen Landespreis

Claus Uhlrich belegte den 3. Platz (1500 Euro) beim Sächsischen Landespreis für Heimatforschung 2016 für sein Buch "Die Toten mahnen. Kriegerdenkmale in und um Leipzig". Die Jury hatte zuvor aus 118 Arbeiten die besten ausgewählt. Dem Leipziger gelang erstmals eine nahezu vollständige Dokumentation von über 150 vorhandenen und teilweise verschwundenen Kleindenkmalen im Raum Leipzig. Dieses Buch entstand in enger Zusammenarbeit zwischen dem Autor und PRO LEIPZIG als Herausgeber.

Herzlichen Gückwunsch Claus Uhlrich!


Quelle: http://www.schule.sachsen.de/7906.htm


Zur zukünftigen Gestaltung des Wilhelm-Leuschner-Platzes

PRO LEIPZIG engagiert sich im Rahmen der Bürgerinitiative STADTFORUM LEIPZIG für eine nachhaltige städtebauliche Strategie bei der Gestaltung des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Die jüngste Wortmeldung der Initiative erfolgte am 14. September 2016 in der Leipziger Volkszeitung im Rahmen eines Interviews mit dem Architekten Ronald R. Wanderer:


Arbeitssitzung zum Stadtteillexikon Großzschocher-Windorf

Am 5. August 2016 berichtete die Leipziger Volkszeitung erneut über die Zusammenarbeit von PRO LEIPZIG mit der IG Chronik Großzschocher-Windorf. Anlass war der Besuch des Landtagsabgeordneten Nowak und der Stadträtin Heller, welche bei einer Arbeitssitzung hospitierten und sich so ein Bild über die örtliche Heimatforschung machen wollten. Dies bot uns Gelegenheit, den Politikern im mündlichen Gespräch die Ziele und Wünsche beider Bürgerinitiativen darzulegen.


Anlässlich unseres 25-jährigen Bestehens berichtete die Leipziger Volkszeitung am 30.03.2016 Folgendes:

Pro Leipzig - wie Bürger ihre Stadt gestalten

Den Verein gibt´s seit 25 Jahren / Seine Akteure mischten sich aber schon früher ein - und pochen auch heute auf Beteiligung      von Mathias Orbeck


Blicken auf eine erfolgreiche Arbeit zurück: Heinz-Jürgen Böhme, Thomas Nabert, Wolf-Dietrich Rost, Martin Malangeri, Michael Liebmann, Stefan Riedel und Ulrich Baumgärtel (von links) von Pro Leipzig, die sich als Initiative mit einem Appell Pro Leipzig im Februar 1991 erstmals an die Öffentlichkeit wandte. Zwei Jahre später wurde der Verein Pro Leipzig gegründet. Foto: André Kempner

An Pro Leipzig kommt keiner vorbei: Der Verein, der fast 300 Publikationen erarbeitet und herausgegeben hat, blickt auf eine mehr als 25-jährige Geschichte zurück. Dabei gilt der 21. Februar 1991 als Geburtsstunde der Initiative, der gleichnamige Verein selbst gründete sich zwei Jahre später. Seit März 1993 ist der Verein, der seinen Sitz in der Waldstraße 19 hat, als gemeinnützig anerkannt. Im Februar 1991 hatten sich im Gasthaus Goldene Krone in Connewitz einige engagierte Bürger, „getragen vom gemeinsamen Anliegen, dass die zukünftige Entwicklung Leipzigs nur aus einer der Stadt eigenen, über Jahrhunderte gewachsenen Identität heraus erfolgen kann“, mit einem Appell „Pro Leipzig“ an die Öffentlichkeit gewandt. Persönlichkeiten wie Wolf-Dietrich Rost, Heinz-Jürgen Böhme, Detlef Lieffertz, Bernd-Lutz Lange, Gunter Böhnke, Bernd Sikora, Gudrun Neumann und andere gehörten dazu. Kaum dokumentierte Anfänge finden sich aber bereits in den Jahren 1988 bis 1991 – etwa bei einem Ideenwettbewerb fürs Stadtzentrum 1988 oder beim 1989 gegründeten Kulturprojekt Waldstraßenviertel. Behutsame Stadterneuerung wurde bei der 1. Volksbaukonferenz ebenso eingefordert wie später bei der Ausstellung „Pro Leipzig“ im November 1990 im Messehaus am Markt. Wurzeln des Engagements sind in der katastrophalen Situation Leipzigs am Ende der DDR zu finden, als die gründerzeitliche Bausubstanz immer mehr verfällt, die Stadt von Tagebauen umklammert wird, in Lücken im Stadtzentrum „Meterwaren des Wohnungsbaus“ hochgezogen werden. „Jeder versuchte irgendwie, gegen ideologische oder wirtschaftliche Barrieren, gegen verbohrte Ansichten anzugehen und auf städtische Prozesse einzuwirken. Die waren elementar für uns, und man hat sich Verbündete gesucht, um Leipzigs Identität wiederzuerlangen“, erinnert sich der freischaffende Maler, Grafiker, Gestalter und Autor Heinz-Jürgen Böhme. An Diskussionen um den Stopp des Flächenabrisses in Connewitz, das später eines der ersten Sanierungsgebiete wurde, waren die Akteure ebenfalls beteiligt. 1991/92 gab es dann bereits ein Netz von mehr als30 Bürgerinitiativen und -vereinen. „Wir wollten einfach Kompetenz und Initiativen bündeln“, so der heutige Landtagsabgeordnete Wolf-Dietrich Rost (CDU). Eine Ausstellung „Bürger gestalten ihre Stadt“ im Grassi-Museum, die die Initiative Pro Leipzig organisierte, zog mehrere zehntausend interessierte Leipziger an.


Die Ausstellung 1990 im Messehaus am Markt löste Diskussionen aus



Gründungsmitglied Bernd Sikora auf einer Protestversammlung gegen das geplante Tangentenviereck im Jahr 1992



Einführung der Wasserwanderkarte von Pro Leipzig im Jahr 1997


 

In all den Jahren hat der Verein sich in Debatten eingemischt – etwa um den Verlauf des Tangentenvierecks. Und er hat umfangreiche Forschungen zur Stadtentwicklung betrieben, die auch in vielen Broschüren und Büchern Eingang fanden. Pro Leipzig wird sich weiterhin beteiligen – und sein Recht darauf auch einfordern. Etwa in die Diskussion um das künftige Gesicht des Leuschnerplatzes – derzeit sind im Stadtrat lediglich Leitlinien beschlossen. So wird es vor der Debatte um den Bebauungsplan einen Workshop geben. „Wie der bewertet wird, wissen wir zwar nicht. Uns ist kein Konzept der Stadt bekannt – wir warten darauf“, so Böhme. Architekt Stefan Riedel: „Unsere größte Aufgabe ist es, der Verwaltung wieder zu vermitteln, dass die Abarbeitung demokratischer Prozesse sich nicht darin erschöpft, Termine wahrzunehmen und gelangweilt zuzuhören.“ Da müsse ein Umdenken einsetzen, die Inhalte der Gegenvorschläge müssten mehr reflektiert werden. Die Verwaltung und Teile des Stadtrates seien oft nicht gewillt, eigene Positionen zu überdenken und eine offene Diskussion zu führen. „Sie haben dann oft die Angst, in ihrer Kompetenz beschnitten zu werden und betrachten uns als lästige Konkurrenz“, ergänzt Thomas Nabert, der Geschäftsführer von Pro Leipzig „Das ist nicht gerade ein Jungbrunnen für die Demokratie.“ Pro Leipzig mit derzeit knapp 40 Mitgliedern sei aber gerade ein gutes Beispiel für kompetente und qualitative Arbeit der Stadtgesellschaft. Da schließe sich durchaus der Kreis zur Ausstellung 1990, als namhafte Architekten und Fachleute Debatten über die Stadterneuerung angestoßen haben. Der Leuschnerplatz ist für neuerliche Debatten um eine behutsame Stadterneuerung gerade der Präzedenzfall. Pro Leipzig mahnt Qualität an. Die Markthalle könne zwar das Herzstück des neuen Viertels sein, heißt es. Dafür müssten aber Bedingungen geschaffen werden, damit sie auch überlebt. „Wir plädieren für einen neuen Stadtteil als Fortsetzung des Stadtkerns. Nicht für eine Randbebauung“, so Böhme. Diese Debatte beschäftigt viele Leute, wie der Verein jüngst wieder auf der Buchmesse erfahren hat. Stoff für Debatten – etwa über einen möglichen neuen Standort fürs Stadion am Stadtrand oder die Entwicklung neuer Stadtteile wie am Bayerischen Bahnhof – gebe es genug. Vorstandsmitglied Martin Malangeri, Fachplaner und Sachverständiger: „Wir müssen uns wieder so aufstellen, um als Netzwerk schneller zu reagieren.“

Wer sich für die Vorgeschichte der Initiative Pro Leipzig, die Umstände ihrer Entstehung, die letztliche Gründung des eingetragenen Vereins, mithin für die Ereignisse von 1988 bis 1993 interessiert, dem sei der folgende ausführliche Bericht ans Herz gelegt:



Ausstellungen

Derzeit präsentiert PRO LEIPZIG in seinen Vereinsräumen eine Ausstellung des UT Connewitz. Zu sehen sind Filmplakate aus der Zeit, als das heutige Kulturzentrum noch auschließlich als Lichtspieltheater fungierte. Cineasten und Nostalgiker kommen ganz gewiss auf ihre Kosten!